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Erfahrungsbericht – 3 Monate Reiterpraktikum in Costa Rica, ein Bericht von Lara

Erfahrungsbericht Costa Rica SonnenuntergangHallo ihr Lieben. Mein Name ist Lara, ich bin 19 Jahre alt und komme aus dem schönen Saarland! Ich habe letztes Jahr mein Abi bestanden und mich ein paar Monate danach nach Costa Rica aufgemacht. Was ich im Reiterpraktikum in Costa Rica alles erlebt, gesehen und gelernt habe erfahrt ihr alles in den folgenden Zeilen.

Am 29.08. ging es für mich los von Frankfurt am Main nach San José, 14 Stunden Flug später und ich war da. Leider hab ich an dieser Stelle einen Fehler gemacht. Ich hatte mir vorab einen Shuttle gebucht… macht es nicht. Nehmt lieber einen Inlandsflug! Statt 5 Stunden Auto und Fähre verbringt ihr nur eine halbe Stunde in der Luft. Vorwarnung es handelt sich um eine Propellermaschine die Platz bietet für genau 12 Personen. 14 Stunden Flug und ein komplett anderer Zeitrhythmus lässt euch recht schnell einschlafen, außerdem seht ihr vom Flugzeug aus sehr viel mehr und könnt alles von oben genießen. 

Als ich auf der Ranch ankam wurde ich super freundlich von Sandra und Caro (meine Kollegin/Mitbewohnerin) begrüßt. Jetzt hieß es ankommen, endlich etwas essen und Koffer auspacken. Wir waren direkt auf der Ranch in einem sehr einfachen und kleinen Häuslein aus Holz untergebracht. Gerade genug Platz für zwei Personen. Aber man gewöhnt sich dran, vertraut mir! Durch die hohen Temperaturen gibt es dort fast keine komplett geschlossenen Häuser. So auch unseres nicht, der einzige Raum mit vier Wänden war unser Bad! In den nächsten Tagen hieß es zuschauen, mit anpacken und vor allem lernen und offen sein für Neues! Generell sollte man dort nicht mit zu hohen Erwartungen anreisen. Eher Erwartungen runter schrauben und sich überraschen lassen. Das habe ich auch größtenteils in meiner Zeit dort probiert und wurde mehr als einmal sehr positiv überrascht. Ich lernte die ersten Reitschüler mit ihren Eltern kennen und was soll ich sagen, ich wurde sehr herzlich von allen aufgenommen.  

Unser Arbeitstag begann früh, angefangen wurde meist zwischen 7 und 7:30 Uhr. Füttern war die erste Tagesaufgabe. Da fast alle Pferde 24/7 draußen stehen, wurde Kraft und Heu drinnen wie draußen gefüttert. Danach wurden die wenigen Boxen gemistet und meist auch schon das erste Pferd fertig gemacht. Oft waren entweder Caro oder ich mit einer Ansprechpartnerin oben auf dem Reitplatz um u.a. Sprünge ab-, auf-, oder umzubauen. Die jeweils Andere hat dann das zweite Pferd fertig gemacht oder anfallende Arbeiten erledigt. Generell haben wir überall mit angepackt. Von Zäunen flicken, bis Pferde medikamentös versorgen war wirklich alles dabei. Vor Schmutz und etwas härterer Arbeit darf man definitiv keine Scheu haben.  Um 11 Uhr war Mittagspause, je nachdem wann die ersten Reitschüler nachmittags kamen ging es in den meisten Fällen um 15:15 Uhr für uns wieder auf die Ranch. Um 15:30 Uhr kamen dann die ersten Reitschüler. Dabei hatte jede von uns ihre eigenen Reitschüler, wobei wir bei den Ansprechpartnern immer als Assistenten mit am Platz waren. Unterrichtet wurde auf Englisch gehalten. Keine Sorge selbst wenn ihr davor nur einzelne Pferdevokabel auf Englisch kennen solltet kriegt ihr das hin. Traut euch einfach und schon klappt es fast wie von alleine, die Reitschüler fragen gegebenenfalls auch nach. Zum Abend hin wurde nochmal alles gefüttert und um 18 Uhr war Feierabend dazu noch stockdunkel. Abends waren wir meist so geschafft da wurde nur noch gekocht, geduscht und ab in die Hängematte^^.

Einen Tag die Woche hatten wir frei, wobei es einem selbst zu steht ob man frei macht oder nicht. Sonntags war sowieso nur morgens und abends füttern angesagt. Außer es stand eine Tour an. Viel Sightseeing kann man leider in der Gegend nicht machen, da die Ranch recht  abgelegen liegt, dafür mitten im Grünen. Wir sind oft mit dem Bus gefahren, aber auch getrampt. An dieser Stelle ist zu erwähnen das trampen nicht die sicherste Methode ist, wir aber wirklich nie Probleme hatten. Das aller wichtigste ist nur, ihr müsst euch sicher fühlen, habt ihr kein gutes Gefühl steigt ihr nicht ein bzw. auf!!! Transportmöglichkeiten gibt es genug, von Motorrad bis hin zum LKW war bei uns alles dabei. Alle Fahrer waren nett und hätte ich ein tick mehr Spanisch gekonnt wäre es bestimmt auch sehr interessant geworden. Aber man muss nicht fließend Spanisch sprechen, Englisch reicht für die touristischen Orte meist völlig aus und sonst mit Handyübersetzer oder mit Hand und Fuß.

Pferde Strand Costa RicaWir waren oft in in der nächsten Stadt, ob am Strand oder einfach nur lecker Essen, es war immer wieder toll. Mit dem Bus braucht man ca. 20 min, zu Pferd gut 1 ½ Stunden, aber auch das lohnt sich! Das Freizeitangebot ist vielfältig, verschiedene Ausflüge, Surfstunden, Quad mieten/Touren, schnorcheln oder tauchen oder einfach nur am Strand liegen und die Sonne genießen. Für jeden ist etwas dabei. Einmal bin ich mit einem Bekannten an die Wasserfälle nach Montezuma gefahren. Hat man den kleinen Wanderweg über Stock und Stein erstmal geschafft, ist man umgeben von bunten Schmetterlingen, großartigen Leuten und kühlem Nass. Also wenn ihr die Gelegenheit habt geht nach Montezuma. Das andere Mal haben Caro und ich uns ein Quad gemietet und sind auf eigene Faust los, wir wurden zwar zweimal klitsche nass da der Regen etwas unerwartet kam, Spaß hatten wir trotzdem. Wer auf solche Ausflüge auch mal verzichten möchte der kann die Gegend um die Ranch auch auf dem Pferderücken erkunden und die Seele baumeln lassen. Vertraut mir, mehr Erholung gibt es nicht. Zur Krönung die Lieblingsgaloppstrecke mit einem atemberaubenden Ausblick und alles ist perfekt. Kurz vor dem Ende meines Aufenthalts waren wir noch im nahgelegenen Nationalpark und auf der Isla Tortuga. Die Natur ist unbeschreiblich schön, wir haben auch einige dort lebende Wildtiere gesehen u.a Aras, Nasenbären, Rehe, Kapuzineräffchen und Waschbären.Costa Rica Kapuzineraffen Auslandsaufenthalt

Zurück zu unserer Wohnsituation vor Ort, wie bereits erwähnt ist es ein sehr kleines, einfaches Haus und man wohnt auch nicht ganz alleine dort. Ameisenstraßen  werden öfter deinen Weg kreuzen. Sie wollen dir nichts böse, also wenn du sie in Frieden lässt, lassen sie dich auch in Frieden. Genauso wie die Gecko Familie, sie kann man wunderbar von der Hängematte aus auf ihren Jagdzügen beobachten. Durch die ganzen Tiere und das offene Haus müssen sämtliche Lebensmittel immer gut verpackt bzw. im Kühlschrank sein. Sonst macht ihr u.a die Gürteltierfamilie sehr glücklichJ. Also den Einkauf direkt sicher verstauen. In der ersten Zeit ging die Ansprechpartnerin immer für uns einkaufen. Wir hatten ein Budget und schrieben demnach auch eine Einkaufsliste. Gegen Ende sind wir selbst einkaufen gegangen. Meistens wurden wir nach Cobano gefahren oder die Mutter hat uns mitgenommen, dort ist es nämlich günstiger als in Santa Teresa da es nicht so touristisch ist. Bananen sowie Papayas haben wir direkt vor unserer Tür auf der Ranch gepflückt, was ziemlich cool war. Es hat definitiv was für sich in den Tropen zu wohnen.

Wasserfall Costa Rica PraktikumEin Nachteil blieb uns aber nicht erspart, das Wetter. Ich war in den letzten Monaten der Regenzeit dort, anfangs hatten wir wirklich Glück und es regnete nur nachts, nur blieb das nicht so. Im Oktober war es am schlimmsten, und wir reden hier nicht von deutschem Nieselregen^^. Wenn es dort regnet kommt es in Strömen und meist hört und sieht man die Regenwand auch, dann hieß es ab ins Trockene. Aber es ist nie wirklich lange überflutet, wenn es 4 Tage am Stück so richtig schüttet ist binnen 2 Tagen alles wieder weg, als wäre nie was gewesen. Einfach fantastisch. Solltet ihr mal in solche eine tolle Regenwoche kommen kann ich euch nur raten „Keep calm and enjoy“.

Das ist auch eine Sache die ich als allererstes in Costa Rica lernen musste, die Gelassenheit aller in fast jeder Alltagssituation. Jeder lebt das „Pura Vida“, wenn du das nicht kennst, lachst du im ersten Moment drüber bis du anfängst sie zu verstehen, darüber nachdenkst und es danach einfach nicht mehr missen möchtest. Es hat nichts mit Faulheit zu tun, aber den Tag mal nicht voll durchzuplanen sondern mal abzuwarten was auf einen zu kommt, ist fantastisch und zu 100% nicht selbstverständlich. Das nächste was ich dort gelernt habe, auf deine eigenen Entscheidungen zu vertrauen und nicht alles zu hinterfragen, ich bin einfach selbstbewusster geworden. Ich könnte hier nur hundert Dinge aufschreiben die ich dort gelernt habe, aber dann wird das hier eher ein Buch als ein Bericht^^. Eins möchte ich doch noch loswerden wenn ihr offen und keine Scheu vor etwas komplett ungewohntem, Spaß an Kreativität, der Arbeit mit Pferden und Kindern habt, aber auch mit anpacken können falls nötig. Euch Ameisen und Geckos noch lange nicht in die Flucht schlagen, dann seid ihr beim Reitpraktikum genau richtig.

Ausritt Costa Rica PferdenAls der Abreisetermin dann wirklich näher rückte, war ich traurig. Von den Kids und ihren Eltern hatte ich mich die vorherige Woche schon verabschiedet, was mir auch nicht sehr leicht viel und jetzt auch noch von Caro, und den Ansprechpartnern aber auch das schönste Abenteuer geht mal zu Ende. Zurück in Deutschland zu sein war anfangs ein seltsames Gefühl und vor allem war es so kalt. Wobei das Jetlag recht gut auszuschlafen war, blieb der Wunsch nochmal  nach Costa Rica zurück zu fliegen bestehen.

Für mich war es eine einzigartige Erfahrung und ich bereue keinen einzigen Tag den ich dort verbracht habe. Auch dank Caro die in der Zeit zu einer richtigen Freundin für mich wurde. Ich glaube, nein ich weiß, hätten wir uns nicht so gut miteinander verstanden, wären das lange 3 Monate geworden. Ich werde weder unsere Sticheleien im Stall vergessen noch unsere gemeinsamen Ausritte und Abende bei Reis und Bohnen mit der Tagesschau, geschweige denn das Happy Lama^^. Danke für diese 3 Monate!

Und ja ich würde es wieder tun, dann aber mit Rucksack um eine Rundreise noch dran zuhängen. Das ist das Einzige was ich vielleicht bereue, nicht noch etwas gereist zu sein. Aber so ist die Vorfreude auf den nächsten Urlaub gleich viel größerer.

Pura Vida

Lara